Irrwege, Langschläfer und lachende Gesichter

Vico Merklein nahm es mit einem breiten Lächeln. „Wo gehobelt wird, da fallen Späne“, meinte der Weltrekordler und diesjährige Sieger beim 28. Rhein-Ruhr Marathon nach dem Zieleinlauf. Andere Athleten nahmen die negativen Begleitumstände des zum dritten Male in Duisburg ausgerichteten HCT-Rennens verständlicherweise weniger entspannt auf und rollten schimpfend in der großen MSV-Arena ins Ziel.

Was war geschehen? Nachdem Alexander Groth vom Deutschen Rollstuhlsport-Verband das Feld per Startschuss auf die Reise geschickt hatte, kam es auf der Strecke in Höhe der Halbmarathonmarke zu einem Malheur. Unaufmerksame Streckenposten hatten die Athleten zum Teil auf den falschen Abzweig zusausen lassen. Einige Teilnehmer drehten so den einen oder anderen Extrakilometer, drei landeten gar auf der Halbmarathonstrecke und mussten das Rennen frühzeitig beenden. Umso überraschender für Stefan Voormans (HCT) und das Orga-Team des Rhein-Ruhr-Marathons, hatte in den beiden Vorjahren doch alles wunderbar geklappt und Duisburg seitens der Handbiker höchstes Lob erhalten. „Deshalb kann über Nacht natürlich nicht alles schlecht sein. Dennoch ein großes Sorry an die betroffenen Starter, ich kann versichern, dass das Geschehene seitens der Duisburger Verantwortlichen bereits im Stadion und auch im Rahmen der nachfolgenden Pressekonferenz sehr ernsthaft und selbstkritisch aufgenommen worden ist. Der "Faktor Mensch als Streckenposten" eines Marathons bleibt natürlich immer die große Unbekannte, aber wir werden uns damit auseinandersetzen, neuralgische Punkte noch besser zu kennzeichnen und insbesondere die Streckenposten stärker für das Tempo und das frühzeitige Einwinken der Handbiker zu sensibilisieren. Den drei Athleten, die das Rennen nicht beenden konnten, wird das Startgeld erstattet“.       

Somit trat das Sportliche leider weitestgehend in den Hintergrund, obgleich das Teilnehmerfeld u. a. mit Merklein, Jeffre, Bäumann, Gabriel, Maalouf und Pieper ein Erstklassiges war. Stefan Bäumann räumte ein, dass er Vico Merklein, anders als eine Woche zuvor in Hamburg, diesmal hätte nicht gefährden können und freue sich bereits darauf, im kommenden Jahr wieder in Duisburg am Start zu sein. So hatten sich die Wogen zur Siegerehrung wieder weitestehend geglättet und es gab auch positive Stimmen. Pia Lingnau: „Ich bin jetzt hier zum dritten Mal gefahren und wirklich zufrieden, zumal ich mir nicht wirklich etwas vorgenommen hatte. Die Stimmung hier ist immer gut, auch wenn so früh morgens natürlich noch nicht so viele Leute an der Strecke stehen. Und der Zieleinlauf und die Siegerehrung hier im Stadion vor tausenden Zuschauern ist schon etwas Besonderes“.

Festzuhalten bleibt: Aller guten Dinge waren diesmal nicht drei, für den 27. Mai 2012 bleibt noch Luft nach oben und die hohe Motivation wieder in die Erfolgsspur zurückzukehren.

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