13. Willicher Handicap Triathlon 2011
- Rückblick -

"Die wilde 13!"

Die Unglückszahl schien ihrem Ruf zur dreizehnten Auflage des Willicher-Handicap-Triathlons zunächst gerecht zu werden, erreichte das Orga-Team vom reha team West und TV Schiefbahn doch um die Mittagszeit eine ernstzunehmende Unwetterwarnung, die die Gesamtveranstaltung des Willicher Triathlons mit seinen rund 850 Startern ernsthaft in Gefahr zu bringen drohte.

Nach der traditionellen Wettkampfbesprechung um 12:45 Uhr hatte Petrus dann aber mit dem 29-köpfigen Teilnehmerfeld des Handicap-Triathlons ein Einsehen, so dass pünktlich um 14:30 Uhr das 25 m-Becken der Willicher „Bütt“ in Angriff genommen werden konnte. Versehen mit dem Rückenwind des Titelgewinns auf der Mitteldistanz von Wilhelmshaven eine Woche zuvor, waren Jörg Walden (TriPostTrier) im TRI1 und Hans-Peter Durst (RGB Dortmund) im TRI3 die Titelfavoriten.

Jörg Walden absolvierte die 200 m zum Auftakt im wohltemperierten Becken in knapp dreieinhalb Minuten und somit einer Zeit, die bis dato in Willich noch nicht erreicht worden ist. Das seine Schwimmzeit bei der Zeitnahme letztlich höher ausfiel (4:13 Minuten) und der Vorsprung auf Titelverteidiger Markus Häusling (VFL Wettesingen) nur fünf Sekunden betrug, war dem Umstand geschuldet, dass sich der Trierer am Beckenrand zunächst auf das Anziehen seiner Schuhe konzentrierte. Danach ging es dann samt Häusling im Nacken per Handbike auf die 10 km-Wendepunktstrecke. Bemerkenswert auch die Zeit des 21-jährigen Daniel Petersen, der seine 6:55 Minuten, anders als seine Kontrahenten, in der Rückenlage absolvierte. Ziehen lassen musste er daher zunächst mit Katja Oemmelen (Team Nettebiker.com) die einzige Dame im Feld.

Das der Wettkampf erstmalig eine U18-Wertung vorsah, faszinierte nicht zuletzt auch das zahlreiche Publikum, das die Leistungen aller Athleten mit großem Applaus honorierte. Kevin Bons (Team nettebiker.com) entstieg dem Becken nach 6:53 Minuten und konnte vor Björn Behnke (BW Buchholz) einen respektablen Vorsprung in die zweite Disziplin mitnehmen, gefolgt von Newcomer Christian Woitzik (BSG Mönchengladbach). Derweil baute Jörg Walden seinen Vorsprung kontinuierlich aus und absolvierte die flache 10 km-Strecke mit seinem Rennbike in 21:32 Minuten, gefolgt von Markus Häusling, der mit seinem Bike 23:09 Minuten erreichte. Zu dieser Phase des Rennens legte auch Kevin Bons mit 28:22 Minuten den Grundstein zum Erfolg. Den Abschluss in Willich bilden nachfolgend die 3,4 km im Aktivrollstuhl, da die Athleten in Hinblick auf die Chancengleichheit im Vorfeld wieder übereinkamen, diesen Part nicht im Rennrollstuhl zu bestreiten. Hierbei konnte Jörg Walden (14:54 Minuten) seinen Vorsprung auf Markus Häusling (15:32 Minuten) nicht signifikant vergrößern. Daniel Petersen gelang es in der abschließenden Disziplin mit 14:41 Minuten sogar, den Rückstand auf das Führungsduo zu verringern. In der neuen Streckenrekordzeit von 40:39 Minuten sicherte sich Jörg Walden den Meistertitel. Nur Ex-Weltmeister Hannes Köppen war jemals auf dieser Distanz schneller, bestritt das Rennen seinerzeit jedoch abschließend im Rennrollstuhl. Auch Markus Häusling unterbot seinen alten Streckenrekord mit 42:59 Minuten ebenso deutlich wie Daniel Petersen (46:07 Minuten), der in Willich als Dritter niemals schneller gewesen ist. „Oldie“ Armin Berger (Germania Windeck) und mit 68 Jahren der älteste Teilnehmer im Feld belegte in respektablen 61:21 Minuten den vierten Platz. Kevin Bons gewann den U18-Titel in guten 50:52 Minuten vor Björn Behnke (54:13 Minuten). Katja Oemmelen erreichte als Amazone eine Zeit von 61:30 Minuten.

Gleichfalls wie die Rollstuhlathleten galt es auch für die anderen Starterklassen von Anbeginn auf der Supersprintdistanz Vollgas zu geben. Im TRI3 machte zunächst Oliver Seemann von den Tri Michels Hamburg seinem Namen alle Ehre und absolvierte die 250 m in schnellen 4:23 Minuten. Der Abstand zu Hans-Peter Durst, Markus Schlüter und Sven Niebergall, den ein nicht gänzlich ausgeheilter Schlüsselbeinruch nicht von einem Start abhielt, fiel in diesem Moment deutlich aus. Auch auf der Radstrecke schenkten sich Seemann und Durst nichts und dem Hamburger gelang es seine Führung mit auf den profilierten Rundkurs im Schwimmbadgelände zu nehmen, der mit seinem teils rasigen Untergrund den Athleten auf den 3 km alles abverlangte. Einmal mehr war Hans-Peter Durst in dieser abschließenden Disziplin in der Lage, die Weichen auf Sieg zu stellen. Seine 17:04 Minuten boten die Grundlage für die Endzeit von 46:27 Minuten und dem Vorsprung auf Seeman, der nach 47:08 Minuten das Ziel erreichte. Sehr zufrieden zeigte sich auch der für den RGB Dortmund startende Markus Schlüter, der noch im Vorjahr gemeinsam mit Rolli-Athlet Markus Häusling im ZDF-Beitrag portraitiert worden war. Nach 53:05 Minuten trennten ihn lediglich 15 Sekunden vom Drittplatzierten Sven Niebergall.

Nicht weniger spannend die Entscheidung im TRI4. Olaf Kohn (TV Germania Buschhütten) zeigte bei seinem Willicher Debüt im Ziel zufrieden die „Beckerfaust“. Auch der 39-jährige legte auf den eingangs zu absolvierenden 10 Bahnen in 5:24 Minuten den Grundstein zum Sieg. Simon Gänger (6:51 Minuten) und Stephan Breuer (RC Schmitter e.V.) nach 7:16 Minuten folgten. Bemerkenswert auch die Schwimmleistung von Andrea Thamm. Die Berlinerin blieb in 5:55 Minuten sogar in Reichweite von Olaf Kohn. Auch auf den 10 km der flachen Wendepunktstrecke gelang es Kohn den Radspezialisten Breuer auf Abstand zu halten und machte auf den letzten 3 km noch einmal richtig Druck. 45:02 zeigte die Uhr im Ziel, Breuer folgte auf Platz zwei nach 46:47 Minuten und Simon Gänger zeigte sich mit seinem dritten Rang in 49:54 Minuten gleichfalls zufrieden, wie Andrea Thamm, die von der Kulisse nach 51:11 Minuten mit großem Applaus empfangen wurde.

Hervorzuheben sind auch die Leistungen des Willich-Debütanten Gerhard Hartwich (TRI2-SC Oberursel) und des nach längerer Wettkampfpause zurückgekehrten Wuppertalers Georg Janßen (TRI6). Beide lieferten schnelle Zeiten, wobei Hartwichs 4:32 Minuten auf den 200 m-Schwimmen schon ins Auge fielen, insbesondere aber die 15:54 Minuten auf der schweren Laufstrecke samt Unterschenkelprothese bemerkenswert sind. Seine starke Zielzeit betrug 42:59 Minuten. Auch Georg Janßen bewies bei seiner Rückkehr, dass das Schwimmen seine Paradedisziplin darstellt. 4:20 Minuten boten die geeignete Grundlage, um am Ende mit 43:35 Minuten in Reichweite von Gerhard Hartwich zu liegen.

Die Tri-Staffel entschieden Jaqueline Jakob und David Huber vom hessischen Team ARQUE für sich. Hier startet der Schwimmpate (Jaqueline) über 200 m für den Rollstuhlsportler (David), für den das nasse Gefilde eine unüberwindbare Hürde darstellt. Danach geht es weiter über 10 km mit dem Handbike und abschließend 1,3 km mit dem Aktivrollstuhl. Die Endzeit der beiden im Ziel lag bei 45:27 Minuten, gefolgt von den Vorjahressiegern Johannes Huth und Andreas Abts (BSG Mönchengladbach) in 48:14 Minuten sowie den Drittplazierten Marius Sieger und Frank Pohl sowie dem Duo Natalie und Patrick Kloppisch (IG Basket Bears) und Steffen Rosin als Schwimmpate für Leonard Drinceanu (BSG Mönchengladbach).

Die stimmungsvolle Siegerehrung samt Überreichung der Meistertrikots und reha team West-Cups bot vor großer Kulisse das i-Tüpfelchen auf ein tolles Wettkampferlebnis. Festzuhalten bleibt, dass die Leistungen sich Jahr für Jahr steigern und die Szene stetig Zulauf erhält. Diese positive Entwicklung ist sehr erfreulich, nicht zuletzt mit Blick auf die erstmalige Aufnahme ins paralympische Programm für Rio 2016. Nicht zu vergessen der „Dreierpack“ der Deutschen von Hamburg, Wilhelmshaven und Willich, der in seinen jeweiligen Strukturen beste Rahmenbedingungen bereit hält. Sei es für die Arrivierten oder die Newcomer und Schnupperer, die es zur weiteren Entwicklung des Paratriathlons zu erreichen gilt.

ERGEBNISSE

Kontakt und Info für den Willicher-Paratriathlon:
Holger Falk, e-Mail: hfalk@rtwest.de  - Web: www.rtwest.de

Herzlichen Dank für Fotos von
Jörg Behnke, Fam. Oemmelen und sportograf.

 

 

 

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